ADHS im Erwachsenenalter
Wenn der innere Motor nie stillsteht
a) Was versteht man unter „ADHS“?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung. Die meisten Menschen verbinden ADHS ausschließlich mit unruhigen Kindern. ADHS kann jedoch bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und sich dort oft anders äußern.
Betroffene erleben häufig Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern, Aufgaben zu organisieren oder Impulse zu kontrollieren. Dies kann sich unmittelbar auf das schulische, berufliche oder soziale Funktionsniveau auswirken. Die Anzeichen für bedeutsame Unaufmerksamkeits- und/oder Hyperaktivitäts-Impulsivitätssymptome bestehen bereits vor dem 12. Lebensjahr.
b) Wie äußert sich ADHS?
„Ich fange ständig Dinge an und bringe sie nicht zu Ende“
ADHS kann sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich äußern. Grundsätzlich stehen 3 Bereiche im Vordergrund:
1. Unaufmerksamkeit
Menschen mit ADHS fällt es häufig schwer,
- die Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten
- sich auf Aufgaben zu konzentrieren
- Arbeiten zu organisieren und abzuschließen
- Termine und Verpflichtungen im Blick zu halten
2. Hyperaktivität
Typische Anzeichen können sein:
- übermäßige motorische Aktivität
- Schwierigkeiten mit dem Stillhalten, vor allem in strukturierten Situationen, die Selbstkontrolle erfordern
- Das Bedürfnis, ständig beschäftigt zu sein
3. Impulsivität
Kann sich zeigen durch:
- Tendenz unmittelbar auf Reize zu regieren, ohne die Risiken oder Folgen zu bedenken
- Unterbrechung anderer Personen
- Schnelle Frustratio oder Ärgerreaktion
Die Symptomausprägungen kann sich im Laufe des Lebens verändern. Nicht jeder Mensch mit ADHS zeigt alle Beschwerden gleichermaßen.
c) Wie entsteht ADHS?
Bis heute gibt es noch keine eindeutige Erklärung für die Entstehung von ADHS. Nach aktuelle Stand der Wissenschaft entsteht ADHS durch das Zusammenwirken verschiedener biologischer, psychischer und sozialer Faktoren.
In wissenschaftlichen Studien konnten bereits typische Veränderungen des Neurotransmitterhaushalts (insb. Dopamin und Noradrenalin) im Gehirn bei Kindern mit ADHS nachgewiesen werden. Zudem beeinflussen individuelle Entwicklungsbedingungen, unter denen ein Kind aufwächst (Erziehung und Umfeld), die Ausprägung und den Verlauf der Symptomausprägungen.
d) Wie kann eine Psychotherapie helfen?
Die Behandlung hängt von ihrer persönlichen Situation und den vorhandenen Problemen ab. Eine zentraler Bausteine der Therapie ist die Psychoedukation, um die eigenen Symptome zunächst zu verstehen. Gemeinsam entwickeln wir ein Verständnis dafür, wie sich die Symptome in Ihrem Alltag zeigen und welche Auswirkungen sie auf verschiedene Lebensbereiche haben.
In meiner therapeutischen Arbeit lege ich großen Wert darauf, Menschen nicht auf ihre Diagnose zu reduzieren. Ich interessierte mich auch dafür, welche Stärken, Ressourcen und persönliche Erfahrungen sie mitbringen.
Ziel ist es, konkrete Strategien für den Alltag zu erarbeiten, wie Zeit- und Selbstmanagement, Organisationsstrukturen, Stärkung des Selbstwertgefühls, Emotionsregulation. Darüber hinaus werden automatisierte, selbstabwertende Gedanken bearbeitet, die sich über Jahre hinweg entwickelt haben.
In manchen Fällen kann eine zusätzliche medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit einem/ einer Psychiater*in.